Die Ergebnisse der Arbeitsbucherhebung
vom 15. August 1941 aus Schleswig-Holstein

(von Rolf Schwarz)

Neben den konkreten Zahlen, die Jaspersen im Februar 1944 in seinem Manuskript "Ein Bild der Wirtschaft Schleswig-Holsteins"[1] über den Einsatz der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen für die Arbeitsamtsbezirke in Schleswig-Holstein veröffentlichte, bieten die Ausführungen des Landearbeitsamtes Nordmark zur Arbeitsbucherhebung vom 15. August 1941 ebenfalls detaillierte Informationen.[2]

Die Statistiker des Arbeitsamtes führten aus: "Die Arbeitsbucherhebung vom 15. August 1941 brachte erstmalig eine erschöpfende Erfassung der im Deutschen Reich beschäftigten ausländischen (Hervorhebungen jeweils im Orginal R.S.) Arbeiter und Angestellten, die getrennt von den inländischen ausgezählt wurden.[3] Außerdem brachte sie eine Aufgliederung der Arbeiter und Angestellten, darunter auch der Ausländer, nach Berufsarten und nach Wirtschaftszweigen, ähnlich wie bei der Erhebung vom 25. Juni 1938, doch wurden die Ausländer nur nach Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen besonders erfaßt. Gegenüber der Erhebung vom 25. Juni 1938 waren die damaligen 58 Wirtschaftszweige zu 34 und gegenüber der Erhebung vom 5. Juli 1940 die damaligen 339 Berufsarten zu 230 zusammengefaßt.

Der Personenkreis der Erhebung umfasste die beschäftigten arbeitsbuchpflichtigen Arbeiter und Angestellten.[4] Es schieden also aus die Seeleute, die Heimarbeiter und die Arbeitslosen einschließlich der am Stichtag bereits abgemeldeten aber noch nicht wieder angemeldeten Stellenwechsler. Ferner waren nicht einbezogen die zum Wehrdienst, Arbeitsdienst, Luftschutz, SHD, Notdienst usw. Eingezogenen, also auch nicht die Rüstungsurlauber."

Als Begründung für die erstmalige korrekte Erfassung der ausländischen Arbeitskräfte wird die erhebliche Erhöhung ihrer Anzahl seit dem 25. April 1941 genannt: "Diese Zunahme liegt nicht nur in der neuen Zuwanderung von Ausländern, sondern auch in ihrer besseren Erfassung bei der Erhebung vom 15. August 1941." Bereits im April 1941 wäre eine große Zahl von Ausländern in der Nordmark beschäftigt gewesen, "die aber nur zum kleineren Teil ein Arbeitsbuch besaßen und daher auch nur zum kleineren Teil bei der damaligen Arbeitsbucherhebung mitgezählt worden sind."

Als Beispiele aus Schleswig-Holstein für die erheblichen Steigerungen werden bei den männlichen Ausländern die Bezirke Kiel mit 93% (von 6.631 im April 1941 auf 12.808 im August 1941), Schleswig mit 85% (2.669 auf 4.936) und Bad Oldesloe mit 62 % (3.594 auf 5.830) genannt. Wesentlich höhere Zuwachsraten ergaben sich bei den ausländischen Frauen im Arbeitsamtsbezirk Kiel mit 162% (580 auf 1.519) und Schleswig mit 178% (196 auf 545). Für die folgende Zeit gingen die Bediensteten des Arbeitsamtes von einer "lückenlosen" Erfassung aus.

I. Die Veränderungen der letzten Jahre.


[1] Jaspersen, Ein Bild der Wirtschaft Schleswig-Holsteins. Maschinenschriftliches Manuskript, Kiel 1944.

[2] Arbeitsbucherhebung vom 15. August 1941 im Bezirk des Landesarbeitsamts Nordmark - Die Ergebnisse der Erhebung über die Arbeiter und Angestellten, bearbeitet im Landesarbeitsamt Nordmark. Soweit im Artikel keine besonderen Quellennachweise erfolgen, stammen die Informationen und Zitate aus dieser Publikation. Zum Landesarbeitsamt Nordmark gehörten Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg und das Arbeitsamt Stade.

[3] "Inländer" sind Deutsche und Bürger ausländischer Nationalitäten, z.B. Dänen, die im Deutschen Reich beheimatet sind.

[4] 1869 war die Arbeitsbuchpflicht abgeschafft worden. Im Februar 1935 wurde sie erneut für alle Arbeitskräfte eingeführt. Im Arbeitsbuch wurden die beruflichen Veränderungen vermerkt. Das Arbeitsamt führte eine entsprechende Arbeitsbuchkartei, in der ebenfalls die Veränderungen registriert wurden und die entsprechende Kontroll- und Lenkungsmaßnahmen ermöglichte.