Im Jahre 1934 erschien im Reichsgesetzblatt folgende Mitteilung

Im Jahre 1934 erschien im Reichsgesetzblatt folgende Mitteilung (Auszug): „Am 27. Juli 1929 sind in Genf von dem Vertreter des Deutschen Reichs zwei Abkommen unterzeichnet worden: das Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Heere im Felde und das Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen. Die Abkommen werden nachstehend veröffentlicht. Die Abkommen sind ratifiziert worden. ...Die Abkommen werden mit dem 21. August 1934 in Kraft treten.“ [1]

Das Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen bestimmt, dass in Gefangenschaft geratene Soldaten in Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagern - Kurzform: Stalag -, die Offiziere in Offizierslagern - Kurzform: Oflag - untergebracht werden. Schleswig-Holstein gehörte damals militärisch gesehen zum Wehrkreis X

Der Wehrkreis X und das Stammlager XA

Bis zum 30. 6. 1940 wurde der Einsatz der Kriegsgefangenen im Wehrkreis X durch die Gruppe Ic des stellvertretenden Generalkommandos X. Armee Korps durchgeführt. Es waren nur wenige Kriegsgefangene zu verwalten.[2] So teilte die Gestapo Kiel am 14. 12. 1939 in einem Rundschreiben u.a. mit, dass in der letzten Zeit polnische Kriegsgefangene im hiesigen Bezirk eingesetzt worden sind.[3]

Nachdem durch den Feldzug im Westen Kriegsgefangene in großer Zahl anfielen, wurde am 1. 7. 1940 die Dienststelle „Kommandeur der Kriegsgefangenen im Wehrkreis X“ eingerichtet. Der Kommandeur war 1941 Generalmajor Schönberg mit Rittmeister Hausschild als Adjutanten, 1943 Generalmajor Schade mit Oberstleutnant Sommerhoff als Adjutanten. Sie unterstanden unmittelbar dem Chef des Kriegsgefangenenwesens beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW), seit Oktober 1944 dem Reichsführer SS und Befehlshaber des Ersatzheeres Heinrich Himmler. Diese Dienststelle plante vor allem den Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen, der anfangs nur in der Landwirtschaft, später auch in wehrmachtseigenen Betrieben und in der Industrie erfolgte.[4]

„Landwirtschaftliche Betriebsarbeiten haben bei der Zuteilung von Kriegsgefangenen den Vorrang. Dementsprechend sind die Kriegsgefangenen aus dem polnischen Feldzug überwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt worden. Bei den Kriegsgefangenen aus den Kämpfen im Westen kommt angesichts der großen Zahl von Kriegsgefangenen im wesentlich stärkeren Maße ein Einsatz außerhalb der Landwirtschaft in Betracht.“[5] Der Kommandeur der Kriegsgefangenen „regelte weitgehend auch die geistige Betreuung der Kriegsgefangenen. Auf Befehl des OKW wurden bei den Kriegsgefangenen sogenannte geistige Betreuer und bei den russischen Kriegsgefangenen sogenannte Propagandisten eingesetzt.“[6]

Im Wehrkreis X wurden im Jahre 1940 und später mehrere Stammlager (Stalag) errichtet:

-         Schleswig: Stalag XA (anfangs XB)

-         Sandbostel: Stalag XB (anfangs XA) [Bereits 1939 eingerichtet]

-         Nienburg/Weser: Stalag XC

-         Bathorn: Stalag 308.

Mit der Umbenennung des Stalags Schleswig dürften die häufigen Kenn-Nummern der Gefangenen, die XB aufweisen, zu erklären sein.

Zum Bereich des Stalags XA gehörte das Gebiet nördlich der Elbe, einschließlich Groß-Hamburg, bis zur dänischen Grenze. Das Stalag unterstand 1941 Major Struckmann und in den Jahren 1942 und 1943 Oberstleutnant Petrowski. Im Oktober 1943 wurde Oberst Limon (Stellvertreter) und im August 1944 kein Name genannt.[7]

Die Aufgaben des Kommandanten für das Stalag bestanden

-         in der Dienstaufsicht und Befehlsführung des Lagers,

-         in der Betreuung der Gefangenen und Wahrung des Genfer Abkommens,

-         in der Regelung des Arbeitseinsatzes,

-         in der Registrierung der Kriegsgefangenen,

-         in der Lohnabrechnung.[8]

Das Stammlager bestand aus einer Anzahl unterschiedlich großer Lager und Kommandos, die in seinem Gebiet verstreut lagen. Die Bezeichnung der Ortsangabe Schleswig gibt lediglich den Standort dieses ganzen Systems an. „Insgesamt hat das Stalag XA nur 370 von den 31.600 französischen Kriegsgefangenen, die auf Arbeitskommandos verteilt wurden, behalten.“ Diese 370 Gefangenen hatten die Aufgabe, „das Funktionieren des Stalags zu gewährleisten...“.[9]  

Auf den Form-96-Bögen [10] wird für das Stalag XA angegeben: Mehrere Gebäude aus Stein und Holzbaracken, Hesterberg, eingezäunt mit Stacheldraht und Wachtürmen.

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[1] Reichsgesetzblatt, Teil II. Jahrgang 1934, Nr. 21. Zur leichteren Unterscheidung der beiden Abkommen erhält das Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Heere im Felde im Text die Abkürzung (z. V.)

[2] Zehn Jahre Wehrkreis X. Tätigkeitsbericht des Wehrkreiskommandos X von 1935 bis 1945. Nachkriegsbearbeitung: G. Bonemeier. Bundesarchiv, Militärarchiv in Freiburg, Nr. 53 -10/37

[3] Rundschreiben der Gestapo Kiel vom 14.12.1939. Stadtarchiv Neumünster, Akte 2861 (2575 Kriegsgefangene)

[4] Zehn Jahre Wehrkreis X

[5] Runderlass des Reichsministers des Inneren (RMdI) vom 12.8.1940. Ministerialblatt des Reichs- und Preuß. Min. des Inneren vom 21.8.1940

[6] Zehn Jahre Wehrkreis X

[7] Besuchsberichte des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) und der Mission Scapini vom 21.6.1941; 5./6.11.1942; 16.4.1943; 20.8.1944. Archiv de France (Paris). Nr. F(9) 2717. Datenangaben, die im Text in Klammern erscheinen, beziehen sich auf Besuchsberichte des IKRK und der Scapini Mission

[8] Zehn Jahre Wehrkreis X

[9] Besuchsbericht vom 21.6.1941

[10] Enquêtes sur les prisons et les camps douteux. Familienministerium Brüssel

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