Das Schicksal von Ryszard Samulczyk (rechts) aus Lodz

[Auf der Rückseite ist vermerkt: "Die Liebsten vorsichtig gegrüßt von Janusz. Bordesholm 15.VI.1941"]

Der damals siebenundzwanzigjährige Ryszard Samulczyk war verheiratet, hatte ein Kind und gehörte zu den älteren der 13 Männer aus Lódz, die für sich ein Durchschnittsalter von 24,5 Jahren aufwiesen. Im Januar 1995 schrieb er dem Verfasser: „Im Mai 1940 kehrte ich aus der Stadt zurück und wurde in der Straße des 6. August, Nr. 96, angehalten, wo sich die Kaserne des deutschen Militärs befand. Es handelte sich um Soldaten, die zu Pferd unterwegs waren. Ich wurde zum Stall geführt und wurde aufgefordert, die Pferde zu säubern, den Dreck wegzuschaffen und das Heu zu wechseln.

Abends wurden die Personalien von den aufgehaltenen Personen aufgenommen und uns wurde klargemacht, dass wir uns an einem bestimmten Tag (das Datum habe ich vergessen) am Bahnhof Lódz-Kaliszka einfinden müssen, von wo wir mit dem Zug in die Provinz Rzesz, mit dem Ziel der Beschäftigung an einem zur Zeit noch nicht bekannten Arbeitsplatz, gebracht werden sollten. Nach dieser Ankündigung wurden wir nach Hause entlassen, jedoch mit der Warnung, dass im Falle eines Nichteintreffens am vorgegebenen Datum und Ort repressive Schritte gegen die gesamte Familie vorgenommen werden.

Gemäß der Ankündigung fand ich mich an dem Tag auf dem vorgesehenen Bahnhof ein und erblickte zwischen der Menschenmasse zwei meiner Nachbarn. Es waren Wladislaw Pakulski und Hermann Matuszewski, die ebenfalls auf dem Heimweg angehalten worden waren. Nach gewisser Wartezeit wurden wir auf einen Güterwaggon aufgeladen, der für den Menschentransport umgebaut und angepasst worden war. Für den Transport wurden auch Gendarmeriefunktionäre zugeteilt.

Unsere Fahrt führte durch Berlin und Hamburg bis nach Itzehoe (wenn ich mich recht erinnere). In dieser Stadt wurden wir in einem deutschen Lager, in dem sich polnische Soldaten (Gefangene) befanden, einquartiert. In diesem Lager wurden wir medizinisch untersucht, danach wurden uns alle Haare abgeschnitten und wir durften baden. Danach wurden wir auf einen Zug aufgeladen und nach Neumünster gebracht. Unter Bewachung wurden wir zum Arbeitsamt geführt, wo uns die Arbeitsplätze zugeteilt wurden. Ich, d.h. Samulczyk, Pakulski und Matuszewski wurden nach Bordesholm zu den Kieswerken Habermann & Guckes gebracht, wo wir ... in der Baracke[nstube] Nr. 3 ... gewohnt haben.”[1]


[1] Brief an den Verfasser vom 05.01.1995. Siehe auch den Bericht über Ryszard Samulczyk in den Kieler Nachrichten (KN) vom 28.04.1995. Alle erwähnten Briefe sind freundlicherweise von Frau Ilona Grzunka aus Wattenbek schriftlich übersetzt oder auf Tonband gesprochen worden.