Letzte Ruhestatt: Das vergessene Schicksal Italienischer Militärinternierter in Schleswig-Holstein
Mit einer Erinnerung an Maria Maddalena Truppa
(von Janine Dressler)[*]

Einleitung

In seinem Buch Zwölf wiedergefundene Jahre. Kaltenkirchen unter dem Hakenkreuz beschäftigte sich Gerhard Hoch neben vielen anderen Aspekten auch mit dem Schicksal Italienischer Militärinternierter (IMI) in Heidkaten. Er schreibt: "Mit dem 24. November 1943 begann das Sterben unter den Angehörigen einer weiteren Nation: den Italienern. Das Standesamt verzeichnet zu diesem Datum den Tod des italienischen Militärinternierten Mario Baggio."[1] Woher diese IMI stammten, ist laut Gerhard Hoch ungeklärt. Vermutlich wurden sie zur Arbeit in Hamburg eingesetzt und bei Krankheit nach Heidkaten in das dortige Krankenrevier geschickt, wo sie - wie die sowjetischen Kriegsgefangenen - im "Erweiterten Krankenrevier" untergebracht waren. Das zuständige Standesamt in Kaltenkirchen verzeichnete in der Zeit von November 1943 bis Mai 1944 insgesamt 37 Todesfälle. 1958 wurden die in Heidkaten verstorbenen IMI auf den Hamburger Friedhof Öjendorf umgebettet.

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Über IMI in Schleswig-Holstein ist nur wenig bekannt. Es gibt diesbezüglich keine unfassende Publikation, und auch auf überregionaler Ebene beschäftigen sich nur wenige Veröffentlichungen mit ihrem Schicksal.[2] Sie werden meist nur am Rande erwähnt oder in kürzeren Kapiteln etwas näher betrachtet, obwohl ihr Anteil unter den Zwangsarbeitern nicht unerheblich war.[3] Ebenso fehlt es an einer Publikation oder Informationen über den von Gerhard Hoch erwähnten Friedhof Öjendorf und die dortige Italienische Ehrenanlage.

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Im Folgenden sollen deshalb kurz der Weg der Italiener in den Status der Militärinternierten und ihr Leben im Deutschen Reich nach 1943 dargestellt werden. Daran schließt sich die Beschreibung der Italienischen Ehrenanlage auf dem Hamburger Friedhof Öjendorf an. Abschließend folgt dann die Darstellung der Lebensgeschichte von Maria Maddalena Truppa, eine Italienerin, die auf dem Öjendorfer Friedhof beerdigt wurde. Ihre Geschichte soll hier erzählt werden, auch wenn ihr Schicksal von dem der IMI abweicht.


[*] Es handelt sich um einen Beitrag zur Festschrift für Gerhard Hoch zum 80. Geburtstag am 21.März 2003: Kritische Annäherung an den Nationalsozialismus in Norddeutschland, Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, hrsg. vom Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein, Heft 41/42 (April 2003), S.228-243.

[1] Gerhard Hoch, Zwölf wiedergefundene Jahre. Kaltenkirchen unter dem Hakenkreuz. Bad Bramstedt 1980, S.287.

[2] Als Beispiele seien hier angeführt: Gerhard Schreiber, Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereich: 1943 bis 1945; verraten-verachtet-vergessen. München/Wien/Oldenburg 1990. Luigi Cajani, "Die italienischen Militär-Internierten im nationalsozialistischen Deutschland. In: Ulrich Herbert, Europa und der "Reichseinsatz". Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in Deutschland. 1938-1945. Essen 1991, S.295-316. Gabriele Hammermann, Zwangsarbeit für den Verbündeten. Tübingen 2002.

[3] Am 30.9.1944 befanden sich in Schleswig-Holstein insgesamt 5.300 Italiener, davon waren 5.204 Personen männlich und ca. 2.700 waren IMI. Die Italiener bildeten in Schleswig-Holstein mit 4 % aller ausländischen Arbeitskräfte die fünftgrößte Gruppe. Somit lag Schleswig-Holstein etwas unter dem Reichsdurchschnitt von 4,8 %.